Der Osten legt die Garten-Grundlagen

Die Idee, in einen Garten mehr einzubinden als die sinnvolle Anwendung als Nutzgarten ist wohl so alt wie die Menschheit. Interessant vielleicht die Geschichte eines chinesischen Herrschers, eines Gottkaisers in China. chinese-429924_640Dem war es aus kulturellen Gründen und Fragen der Hofetikette nicht erlaubt, sich sein Volk, sein Reich, seine Untertanen und ihr Leben in natura anzusehen. So ließ er simpler weise einen Garten bauen, in dem sein Reich in Miniatur nachgebildet war. Schauspieler mimten denn in kleinen Dörfern die Bauern, Händler und Handwerker.

Der Einfluss

Der Erste, der Beschreibungen der chinesischen Gärten nach Europa brachte, wird, so lautet zumindest die Geschichtsschreibung, wohl Marco Polo gewesen sein. Doch sind sich die Gartenhistoriker darüber einig, dass sein Einfluss, seine Berichterstattung wohl nicht genügend Wirkung besaßen, um die Gartenbauarchitektur nachhaltig zu beeinflussen. Dies schaffte erst ein christlicher Mönch, der Jesuit Matteo Ripa nämlich.

Er brachte von einer Expedition im Namen des Glaubens eine ganze Anzahl feiner Kupferstiche mit, welche die ganze Pracht und die Einmaligkeit des chinesischen Gartenbaues zeigten. Da der Jesuit mit vielen englischen Aristokraten gut befreundet war, zeitigten diese Bilddokumente nachhaltige Wirkung. Eine Welle, ein Hype entstand. Plötzlich war „China“ in. Die Mode hatte sogar einen Namen: „Chinoiserie“. Die Gärten in Versailles, Schönbrunn, Sanssouci oder Pilnitz bei Dresden zeugen noch heute davon.

Der Islam im frühen Gartenbau

Der islamische Garten schlechthin, so sind sich die Spezialisten einig, existiert nicht. Vielmehr ist lediglich allen sogenannten islamischen Gärten der Gedanke gemeinsam, zur höheren Ehre Gottes gestaltet zu sein. Die Traditionen und die Intentionen bei der Architektur der Gärten aber gehen ineinander über. Neben den Anlagen wie beispielsweise den Lustgärten von Tschahar Bat, die königlichen Gärten der Sassaniden, den Gärten des Taq-eKisra Palastes ist auch der persische Einfluss wie beispielsweise bei den timurdischen Gärten ganz klar erkennbar.

Alles vermischt sich. Die riesigen Anlagen der Mogule, in denen sie zur Jagd gingen, die Lustgärten, die auch zu Regierungszwecken dienten, politische, ökonomisch e und religiöse Ansprüche der Gärten – alles mengt sich. In der gesamten vorderasiatischen wurden immer Traditionen und Besonderheiten des Gartenbaues kommuniziert. So kann es keine einheitliche „vorderasiatische Gartenkunst“ geben.

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